Europäische Regeln für Messerwerfen und Axtwerfen

Die unten aufgeführten Regeln werden in Europa bei großen internationalen Treffen verwendet. Dadurch werden die dort erzielten Ergebnisse für die Sportler international vergleichbar. Wie diese Regeln zustande kamen, wird am Ende dieser Seite erzählt.

Die Regeln sind auch in anderen Sprachen verfügbar.

Die Europäischen Regeln für Messerwerfen und Axtwerfen (Version 2010)

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Ziele / Punkte

Das Ziel besteht aus einem Kreis mit 50cm Durchmesser; Es ist aufgeteilt in 5 konzentrische Ringe mit den folgenden Durchmessern (und Farben): 10cm (schwarz), 20cm (weiß), 30cm (rot), 40cm (weiß), 50cm (rot).

Punkte: das Zentrum ist 5 Punkte wert, 4/3/2/1 Punkte werden für die entsprechenden äußeren Ringe vergeben.

Höhe der Ziele (gemessen vom Zentrum zum Boden): 1,30m bis 1,60m.

Disziplinen

Standard-Disziplinen

Messer 3m, Messer 5m und Messer 7m.
Axt 4m und Axt 7m.

Die für diese Disziplinen angegebenen Entfernungen sind Mindestentfernungen. Es ist verboten, näher am Ziel zu stehen, man darf aber bis zu 2m weiter zurück gehen (gilt für Messer und Äxte).

Pro Disziplin hat man 21 Würfe. Für jedes Ziel ist ein zusätzlicher Probewurf erlaubt, der vorher als solcher benannt werden muss.

Im Fall von schlechtem Wetter, knapper Zeit oder anderen Notfällen kann der Organisator entscheiden, nur 15 statt der 21 Würfe absolvieren zu lassen.

Pro Disziplin werden die Punkte aufsummiert. Zusätzlich wird informativ der Bruchteil der erreichten dividiert durch die Anzahl der maximal in dieser Disziplin erreichbaren Punkte in Prozent angegeben.

Große Distanz

Es gelten für Messer und Axt die gleichen Regeln.

Ob ein Wurf als Treffer gewertet wird, wird analog zu den Wertungs-Regeln entschieden.

Das Ziel ist ein Kreis mit einem Durchmesser von 1m.

Es geht darum, aus der weitest möglichen Distanz so zu werfen, dass das Wurfgerät im Kreis stecken bleibt.

Die Mindestentfernung zum Ziel ist 4m. Ab hier gibt es Zonen von je 3m Länge (also 4-7m, 7-10m, 10-13m, …). Der Werfer hat von einer selbst gewählten Distanz in der ersten Zone 3 Würfe (es gibt keine Probewürfe). Bei einem Treffer darf der Werfer weiter nach hinten und hat wieder drei Versuche, und so weiter. Zurück gehen darf er hierbei maximal in die nächste Zone. Das Prozedere ist beendet, wenn keiner der 3 Würfe erfolgreich ist; Die erreichte Distanz wird notiert, gemessen auf den Zentimeter genau. Die Zonen betreffen nur die Messung der Entfernung, nicht den Wurf an sich (es ist also zum Beispiel erlaubt, von 6,99m Entfernung zu werfen, obwohl man dabei in zwei Zonen steht). Nach dem ersten Wurf in einer Zone darf nicht in eine andere dem Ziel nähere Zone gewechselt werden. Als weitere Einschränkung gilt: Eine einmal gewählte Distanz darf innerhalb der aktuellen 3 Würfe nur korrigiert werden im (2m breiten) Gebiet 1m nach vorne und nach hinten.

Sportgeräte

Messer

Ausschließlich feststehende Messer, die länger als 23cm sind und eine Klinge schmaler als 6cm haben.

Äxte

Minimalgewicht 500g, die Schneide darf maximal 12cm breit sein.

Wertung / Ablauf

Nach jeder Wertung bringt der Schiedsrichter dem Werfer die Wurfgeräte.

Der Werfer kann verlangen, dass vor erneutem Wurf auf eine Zielscheibe das darin steckende Wurfgerät gewertet und entfernt wird.

Das Wurfgerät wird exakt so gewertet, wie es im Ziel steckt, es wird nicht rechtwinklig zum Ziel aufgerichtet.

Um zu zählen, muss bei Messern die Klingenspitze stecken, bei Äxten die Schneide.

Bei zweischneidigen Äxten werden nur Treffer mit dem Stiel nach unten gewertet. Berühren beide Schneiden das Ziel, so ist der Wurf ungültig.

Der beste Ring, der angeschnitten wurde, zählt (im Zweifelsfall ist das Wurfgerät heraus zu ziehen und der Schnitt zu untersuchen).

Entfernungen messen sich von der Spitze des Fußes aus, der sich im Wurfvorgang dem Ziel am nächsten befunden hat. Ein Übertreten der Mindestdiszanzlinien ist also verboten. Bei Übertreten ist der Wurf ungültig (0 Punkte).

Nehmen mehr als 5 Frauen teil, so gibt es für sie eine separate Wertung.

Teilnehmen dürfen Werfer aus allen Ländern. Die Nationalität spielt bei der Ermittlung der Ranglisten und Gewinner keine Rolle. Lediglich bei der nationalen Meisterschaft haben die Veranstalter die Option, nur Teilnehmer aus ihrem Land zuzulassen; In diesem Fall muss der Ausschluss von Ausländern in allen Ankündigungen und Einladungen zur Meisterschaft (auch im Inland) deutlich gemacht werden.

Sicherheit / Organisatorisches

Ein Erste-Hilfe-Kasten muss vor Ort vorhanden sein.

Auf die Wettbewerbsziele darf nur unter Aufsicht eines Schiedsrichters geworfen werden.

Auf Übungsziele darf nur geworfen werden, wenn eine offizielle Aufsichtsperson ("range officer") anwesend ist. Diese beobachtet das Werfen und schreitet ein, bevor sich gefährliche Situationen ergeben.

Der rechteckige Bereich 10m vor und 3m zu beiden Seiten der Ziele wird abgesperrt, nur Wettbewerbsteilnehmer und Schiedsrichter dürfen in diesen Bereich. Es ist verboten, sich hinter den Zielen aufzuhalten.

Der Mindestabstand zwischen den Zielen ist 6m.

Teilnehmer unter 18 Jahren müssen von einem Elternteil oder gesetzlichen Vertreter begleitet werden.

Der Hauptschiedsrichter hat immer Recht. Bei Regelverstößen, insbesondere gegen die Sicherheitsvorschriften, erfolgt Disqualifizierung und Platzverweis.

Jeder Teilnehmer muss eine allgemeine Haftpflichtversicherung haben, sofern diese Versicherung im Heimatland des Teilnehmers von Versicherungsgesellschaften als Standard-Leistung angeboten wird.

Jeder Teilnehmer muss unterschreiben, dass er die Regeln anerkennt, und auf eigenes Risiko teilnimmt.

Name dieser Standard-Regeln

Diese Regeln werden „European Knife and Axe Throwing Rules“ (Europäische Regeln für Messerwerfen und Axtwerfen) genannt.

Das offizielle Dokument ist in Englisch, Übersetzungen werden nur der Bequemlichkeit halber zur Verfügung gestellt.

Kommentare

Es ist nicht verpflichtend, sich an die folgenden Kommentare zu halten, aber sie tragen zu einem einheitlichen Werf- und Wettbewerbsgeschehen bei:

Ein Zielaufbau besteht normalerweise aus drei Zielscheiben, die im Uhrzeigersinn beworfen werden.

Als Baumaterial für das Ziel ist Hirnholz am Besten geeignet, also zum Beispiel eine Baumscheibe.

Geschichte/Status

In vielen europäischen Ländern gibt es Wettbewerbe im Messerwerfen und Axtwerfen, allerdings meist mit unterschiedlichen Regeln. Um die Ergebnisse besser vergleichbar zu machen und den Sport besser zu vernetzen, kamen am 20. September 2008 in Chomutov/Tschechien, anlässlich des achten Großen Europäischen Werfertreffens und unter Vorsitz des Eurothrowers-Vereins, offizielle Vertreter des Wurfsports aus 4 Ländern zusammen, um über gemeinsame Regeln zu verhandeln. Nach 3-stündigen Verhandlungen in 4 Sprachen fand man dann schließlich einen Konsens, das sogenannte Chomutov-Agreement.

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Bei den Verhandlungen in Chomutov 2008 waren anwesend:

  • Smajda Ludvik, Tschechische Republik, Celts club
  • Franta Olbort, Tschechische Republik, NAJA club
  • Americo Sabato, Italien, Präsident der Associazione Lanciatori Sportivi Italia
  • Stefan Slahor, Slowakei
  • Tomas Maurer, Tschechische Republik, NAJA club
  • Norbert Maier, Deutschland, Präsident des EuroThrowers Vereins
  • Michel Dujay, Frankreich
  • Christian Thiel, Deutschland, Vizepräsident des EuroThrowers Vereins (Versammlungsleiter)

Nach dem Großen Europäischen Werfertreffen 2009 in Fontainebleau wurde dann klar, dass einige Regeln unklar formuliert waren, oder nicht bei allen Werfern Beifall fanden. Also entschloss sich der EuroThrowers-Verein, Konsultationen mit Vereinigungen in Deutschland, Frankreich, Italien und Tschechien durchzuführen, mit einer anschließenden Abstimmung. Die resultierende Version 2010 der Europäischen Regeln für Messer- und Axtwerfen wird für mindestens 3 Jahre stabil bleiben.

Natürlich dürfen die Regeln nicht nur in den Unterzeichner-Ländern angewendet werden, sondern überall!